Aufbau des Karatetrainings

Karate unterteilt sich grundsätzlich in drei große Bereiche:

  • Kihon      (Grundschule)
  • Kata         (Formbewerb)
  • Kumite    (Kampf)

KIHON

 

Im Kihon werden die Grundschultechniken als Basis für den Kampfbewerb erlernt. Die verschiedenen Angriffs- und Abwehrtechniken zielen auf eine bessere Koordination der Hand- und Fußbewegungen ab, um mit ganzem Körpereinsatz eine wirkungsvolle Technik zu erzielen.

Wichtige Elemente der Kihon- Übung sind – Formgenauigkeit, Automation, Kombination, Raumorientierung, Schrittfolgen, Zielgenauigkeit und Energiestudien. In diesem Sinne werden äußere und innere Fähigkeiten übermittelt, die für eine optimale Körperdynamik notwendig sind.

Unter dem Aspekt der Selbstverteidigung steht weniger Kraft und Schnelligkeit im Vordergrund, sondern das richtige Zusammenspiel von Entspannung und Spannung. Bei Erfüllung aller Kriterien kann mit einer einzelnen Technik ein potentieller Angreifer außer Gefecht gesetzt werden.


KATA

 

Kata wird mit „festgelegter Form“ übersetzt. Kata gibt es in allen Formen traditioneller japanischer Künste. Durch die Katas wurden diese Künste von Generation zu Generation überliefert. Sie waren und sind die Textbücher dieser Künste.

Kata ist die stilisierte Form eines Kampfes gegen mehrere imaginäre Gegner und ist geeignet, die Beherrschung der Technik und besonders die innere Haltung zu schulen. Atmung, Ruhe, Gelassenheit, Sicherheit, Entschlusskraft, Kampfgeist, Rhythmus, Koordinationsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit werden durch das Erlernen von Kata ebenfalls geübt und verbessert.

Etwa 50 Katas werden heute in den verschiedenen Karatestilen zusammen geübt. Manche sind durch die Jahrhunderte überliefert, andere sind erst in neuerer Zeit entwickelt worden.

Karate- Do bedeutet Weg zur körperlichen und geistigen Meisterung des Ichs. Diese Auffassung lässt sich ohne die Kata nicht verwirklichen! Kata wird deshalb von den wirklichen Meistern dieser Kampfkunst als Kernstück des Karate betrachtet, als der Teil des Karate, durch den das eigentliche Wesen dieser Kampfkunst am ehesten zum Tragen kommt.

Erst die Ausgewogenheit von Kihon, Kata und Kumite ermöglicht ein richtiges Verständnis von Karate, und erst dann kann man auch von Karate- Do sprechen!


KUMITE

 

Kumite (=Kampf) unterteilt sich in Jiyu- Kumite (freier Kampf) und Goshin (Selbstverteidigung). Beides ist wichtig und ergänzt sich gegenseitig. Im klassischen Karate wurde der Aspekt des Goshin überbetont und als einziger unterrichtet. Wenn beiden Bereichen eine gleichbedeutende Rolle zugedacht wird, kann das eine zum Verständnis des anderen beitragen.

Die Selbstverteidigung alleine ist nicht das Wesen der Kampfkünste, sondern die Werte der Kampfkunstübung erstrecken sich über viele Bereiche. Die Kihon- Elemente - Stärke, Präzision, Kontrolle und Selbstumgang sollen mit den Kriterien der Kata (Ästhetik, Energie, Vitalität und Gesundheit) zu den Prinzipien des Kumite führen – Spontaneität, Anpassung und Selbstverteidigung.

Der schrittweise Aufbau von einfachen zu schwierigeren Partnerübungen ermöglicht die Sicherheit und Fertigkeit für den freien Kampf. Neben der Körperbeherrschung steht vor allem der mentale Aspekt im Vordergrund. Man wird nie von einem Körper angegriffen, sondern von der obersten Kontrollinstanz, von seinem Geist. Daher darf man die vielen Geist- Übungen des Kampfkunsttrainings nicht unterschätzen und nicht versäumen, sich intensiv mit ihrem Sinn auseinander zu setzen.

Ein Karatetraining beginnt mit einer kurzen Meditation (Mokuso), um die notwendige meditative Haltung für das Training aufzubauen. Die meditative innere Haltung wird dazu verwendet, Geist, Kraft und Konzentration in von der Atmung geführte feinmotorische Bewegungsabläufe zu schicken, sich in diesen Bewegungen seiner selbst bewusst zu werden, um dadurch den äußerst komplexen Hintergrund des klassischen Technik- Systems zu verstehen.

Darauf aufbauend erfolgt in der klassischen Kampfkunst ein gemeinsames Aufwärmtraining, um ein unkontrolliertes Arme schleudern und Herumhüpfen zu vermeiden. Die Gymnastik erfolgt in den meisten klassischen Schulen nach einem durchdachten System. Man kann den Körper von unten nach oben aufwärmen, von oben nach unten oder vom Zentrum zur Peripherie. Der Rhythmus der Wiederholungen darf nicht zu schnell sein, und alle Schüler müssen sich miteinander bewegen, da Durcheinander erneut die konzentrierte Atmosphäre stört.

Im anschließenden Techniktraining versucht man die drei Bereiche – Kihon, Kata und Kumite – in gleicher Weise zu trainieren. Die Spezialisierung auf entweder Kata oder Kumite entspricht der heutigen Wettkampfmentalität, die jedoch am traditionellen Weg vorbeigeht. Oberstes Ziel im Karate ist weder Sieg noch Niederlage, sondern die Vervollkommnung des Charakters.